Zwei Bojen im weiten Ozean. Den Gezeiten ausgesetzt. Unzerstörbar. Den Blick aufs Schiffsdeck gerichtet, beobachte ich meine gerade von der Flut gebeutelten Füße. Raus aus der Pfütze? Ins Trockene? Nä! Sie vielleicht. Die Kleine, mit den entzückend gelben Stoffschühchen. Nicht aber ich. Die dicken Gummiprofile meiner Wanderstiefel halten dem klirrend kalten Wasser wacker stand.
Wieder und wieder schwappt es über die Reling, um sich kurz darauf durch die kleinen Öffnungen an den Seiten des Zweimasters den Weg zurück in den Nordatlantik zu bahnen. Die Haukur bewegt sich am Rande des nördlichen Polarkreises gen Heimathafen: Húsavík – an Islands Nordfjorden gelegen und gerade mal um die 2300 Einwohner klein. So ziemlich die einzige isländische Ortschaft, die ich mir nicht nur merken, sondern sogar auch korrekt aussprechen kann.

Gestartet in Reykjavik tuckerten vier Frostbeulen vor gut einer Woche in einem VW-Bus los, um das Eisland zu umrunden. Jegliche Versuche, dem verzerrten isländischen Kälteempfinden auf die Spur zu kommen, sind seither kläglich gescheitert. Begleitet und geleitet werden sie von Fräulein L., die alles kann und alles weiß und von sich glaubt, ein isländisch dickes Fell zu haben, aber – um dies schon mal vorwegzunehmen – als einzige mit einer Erkältung am Arsch diese Reise beenden wird. Es sei also geraten, sich zu wappnen – mit Schal, Mütze und langen Unterhosen.
Sie haben bereits Süd- und Ostküste erkundet. Sind hinter Wasserfälle gekrochen, haben Gletscher erwandert und mit Zauberern gezockt *. Sie schliefen unter Sternen, unter Schafen, unter dem Gefrierpunkt, und sie erwachten nicht aus einem Traum. Denn sie waren da. Dort, wo Troll und Elfe sich gute Nacht sagen. Wo sattgrün auf kohlrabenschwarz trifft, wo die dicken Gummisohlen der Wanderstiefel sich im milchig weißen Grün aus dichtem Moos einfach aufzulösen scheinen. Und ich, ich war eine von ihnen.


Húsavík heißt: Halbzeit. Durchatmen. Die restlichen Schwefeldämpfe mit frischer, purer Seeluft aus dem Körper pusten. Bei einem heißen Tässchen Kakao – wahlweise auch Rum mit einem Schuss Kakao – gilt meine Aufmerksamkeit gänzlich einer weiteren Episode „Alex und das Puschel-Mikro“. Alex verdient seine Brötchen über die Sommermonate – faktisch also Juli und August – als Whale Watching Guide bei North Sailing Húsavík. Neben mehreren Lektionen „Segeln für Dummies“ und seinen noch jungen Seemanns-Anekdoten hätte es vermutlich weder Papageientauchern, Eissturmvögeln oder Buckelwalen bedurft, um vier Stunden Segeln unterhaltsam zu füllen. Dennoch bleibt am Ende eine Frage ungeklärt: Wie zum Kuckuck Puffin schafft es dieser Kerl bei maximal zehn Grad Celsius und eisigem Dauergebläse selbst sein Mikrofon wärmer einzukleiden, als sich selbst, ohne dabei zu erfrieren? Und das als gebürtiger Amerikaner?

Während ich im Stile von „Ich packe meinen Koffer …“ versuche, alle meine Kleidungsschichten gedanklich durchzugehen, merke ich, dass ich mehr Klamotten am Leib trage, als ich eigentlich gepackt hatte. Base-Shell, Softshell, Hardshell … Super-Powerfloat-Shell: als kleine Aufmerksamkeit von North Sailing allen Warmduschern wie mir zur Verfügung gestellt – sogar jetzt, bei so hochsommerlichen Temperaturen, da man in isländischen Restaurants die Ventilatoren anschmeißt und der Smalltalk des Isländers mit „It’s pretty warm“ beginnt. Schon irgendwie cool, diese Isis.

Zum Wegträumen – Musik aus Island:

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Posted by:Claudia

Grafikdesignerin und Reisebloggerin mit einer Vorliebe für Fotografie, Wordpress und ganz viel Kaffee. Auf dem Land geboren, auf dem Land aufgewachsen. Ausgezogen, um auf Traumpfaden zu wandern, und auch immer wieder gerne heimgekehrt … Gone Walkabout!

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