„Schöner Blick aufs Wasser“ – Taronga, in der Sprache der Aborigines. Und der Name von Sydneys beliebtem Stadtzoo ist Programm. Mit der Fähre von Manly zum Quay – halbstündlich schippern die grünen Sydney Ferries von hier aus nach Mosman sechs Kilometer nördlich des Stadtkerns, wo der Taronga Zoo seit seiner Eröffnung im Jahre 1916 seinen Platz hat. Alleine die Fährfahrt macht einen Zoobesuch schon zum Pflichtprogramm für jeden Stadtbesucher. Seinerzeit eine Walfangstation in geruchssicherer Distanz zum CBD, ist Mosman heute ein wohlhabendes Villen-Viertel, teure Privat-Yachten dümpeln in den kleinen Buchten entlang der bewachsenen Küstenlinie. Meine schweizer IH-Kommilitonin Karin und ich sind gespannt, ob auch der Tierpark selbst hält, was er verspricht: 21 Hektar Fläche, in acht zoogeografische Zonen unterteilt. Insgesamt über 2200 Tiere und 340 verschiedene Arten.

An der zooeigenen Taronga Wharf angekommen – fast schon 12 Uhr mittags –, haben wir die Möglichkeit, uns via Sky Safari Gondel hoch über den Tiergehegen zum Haupteingang am anderen Ende des Geländes seilen zu lassen. Der versprochene Blick aufs Wasser dürfte sich hiermit wohl mehr als bewahrheiten, Sydneys bekannteste Wahrzeichen und die tierischen Zoobewohner aus der Vogelperspektive gibt’s gratis dazu. Für die weniger Schwindelfreien tut’s auch der kostenlose Shuttle-Bus, oder aber man betritt den Park wie wir durch den unteren Hafen-Eingang. Der Blick aufs Wasser muss noch warten.
24 AUD werden mir für den Eintritt abgeknöpft – die 20 Prozent Ermäßigung dank meiner bewährten VIP-Backpackers-Karte schon eingerechnet. Karin muss die vollen 30 bucks löhnen. Betritt man den Park so wie wir quasi durch den Hintereingang, wird man zuerst von Robbe, Pinguin und Pelikan begrüßt, ehe der Pfad sich weiter den Hügel hinauf, über den Australian Walkabout mit all den hiesig ansässigen Tieren wie Känguru, Wombat oder Tasmanischer Teufel vorbei am Haupteingang zum Reptilienhaus schlängelt. Bevor ich mich im australischen Outback der geballten Gefahr der dort lebenden Kriechtierwelt aussetze, treffe ich hier – sicher hinter dickem Glas – schon mal auf die tödlichen Kreaturen, denen ich später in freier Wildbahn besser nicht zu nahe kommen sollte. Darunter der Inland-Taipan, die giftigste Schlange der Welt, die ausschließlich wo lebt? Richtig. In Australien! Ihre durchschnittliche Körperlänge liegt bei etwa 2 Metern. Laut „Crocodile Hunter“ Steve Irwin produziert sie Tropfen für Tropfen das tödlichste Gift überhaupt. Mit einem einzigen Biss kann die „Fierce Snake“ 100 kräftige Männer niederstrecken. Glücklicherweise ist sie aber sehr scheu und lebt nur in weit abgelegenen Gebieten.


Wir folgen dem Pfad weiter und gelangen zur Tierwelt Afrikas im westlichen Zooteil – angefangen mit dem Giraffengehege. Wer „Taronga Zoo“ und „Giraffe“ googelt, findet Bilder, die die meisten wahrscheinlich für gefaket halten: Giraffe vor türkisblauem Ozean, die Skyline von Sydney im Hintergrund, Opernhaus und Hafenbrücke inklusive. Ich kann versichern, alles echt! Hier ist er, der „Schöne Blick aufs Wasser“ – noch schöner. Zeit, ihn zu genießen …

Nebenan bei den Verwandten wird zum Diner gebeten: Fütterung bei den Schimpansen. Karin und ich gesellen uns zu den zahlreichen Schaulustigen. Höllisches Geschrei bricht los, sobald die Affen von ihrem Pfleger mit eimerweise Früchten, Nüssen und Gemüse begrüßt werden. Ansonsten gehts gesittet zu. Das Alphatier bekommt zuerst, die anderen wahren den Sicherheitsabstand. Den ersten Primaten-Hunger gestillt, nimmt sich der Wärter Zeit, um all die Fragen der Besucher zu beantworten. Solche „Keeper Talks“ finden im Taronga Zoo regelmäßig zu bestimmten Uhrzeiten statt und bieten die einmalige Gelegenheit über einige Tierarten im Zoo Wissenswertes aus erster Hand zu erfahren.
Noch beliebter und im Eintrittspreis mit inbegriffen sind Vogelflug- und Robbenshow, die je zweimal täglich veranstaltet werden – meist vor voll besetztem Amphitheater. Deshalb heißt es … frühzeitig Plätze sichern! Um einen der begehrten Plätze für die „Animal Encounters“ zu ergattern, sollte man vorher allerdings reservieren: Giraffen füttern, Reptilien oder einen Koala-Bären halten oder beim „Owl Encounter“ einen der riesigen Vögel auf sein Handgelenk nehmen. Der Spaß kostet extra, dafür kann man allen vor Neid erblassenden Daheimgebliebenen aber auch ein nettes Souvenir-Foto mit einem Koala auf dem Arm präsentieren.


Im fortgeschrittenen Alter von knapp 90 Jahren zeigt die alte Lady Taronga an einigen Stellen gelegentlich auch Renovierungsbedarf. Die Bären, vor allem aber die Großkatzen scheinen träge und müde, ihre Gehege klein und überholt. Aber hey, dies ist ein Zoo! Ich will nicht rumheulen, weil sich die Tiere in Käfigen befinden. Verantwortliche und Pfleger arbeiten kontinuierlich an neuen, verbesserten Maßnahmen, um den Taronga-Tieren ein artgerechtes Zuhause in ihrer natürlichen Umgebung zu schaffen. Auf die in Zoos sonst üblichen Gitterstäbe wird beispielsweise verzichtet – Tiger und Löwen befinden sich hinter Glas, Giraffen, Bären und Primaten sind nur durch Wassergräben von den Besuchern getrennt. Laufende Umbau- und Erweiterungsarbeiten sollen noch dieses Jahr zu ihrem Ende kommen. Man darf sich aufs „Wilde Asien“ freuen mit tropischem Regenwald, einem kleinen asiatischen Dorf und einigen dickhäutigen Neuankömmlingen.

Meine Tipps für alle potenziellen Zoo-Besucher: 1. Die Seilbahn zum oberen Haupteingang nehmen und sich den Hügel hinunterarbeiten! 2. Von oben starten! 3. Habe ich die Seilbahn schon erwähnt? Ziemlich anstrengend und nicht ganz so clever, den Berg hinauf gegen den Strom zu schwimmen. Ansonsten: Echt Taronga!

Posted by:Claudia

Grafikdesignerin und Reisebloggerin mit einer Vorliebe für Fotografie, Wordpress und ganz viel Kaffee. Auf dem Land geboren, auf dem Land aufgewachsen. Ausgezogen, um auf Traumpfaden zu wandern, und auch immer wieder gerne heimgekehrt … Gone Walkabout!

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