Es ist ein kleines aber unübersehbares Fleckchen ganz ganz altes Kapstadt, das sich gegen alle Widerstände ins Hier und Jetzt durchgeboxt hat. Wer heute durch die kleinen Gassen Bo-Kaaps schlendert, sieht es in tausend Farben, Gerüchen und orientalischen Klängen erblühen.


1684. Ein Dreimaster – ich nenne ihn Flying Dutchman – läuft in die Tafelbucht ein. Der Ostindiensegler der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) macht nach elf beschwerlichen Wochen auf See Zwischenstation am Kap. Schwer beladen mit rund 400 Tonnen an wertvollen Handelsgütern aus dem fernen Batavia. Gewürze, Stoffe, Opium, Porzellan. 253 Mann Besatzung gehen entkräftet von Bord. Und mit ihnen etliche neue Arbeitskräfte aus den südostasiatischen Handelskolonien. Politische Gefangene. Sklaven. Ihr Glaube muslimisch, ihre Sprache malaiisch: Kapmalaien.


Einige der heutigen Bewohner sind direkte Nachfahren dieser ersten Siedler – viele waren gebildet und geschickte Handwerker. Typen mit Eiern, die ihre eigene Identität zu wahren wussten und ihre jeweilige Art zu leben, zu bauen, zu beten, zu sprechen, singen und feiern, zu essen, zu trinken und nicht zu trinken über die Zeit retteten. Größte Gemeinsamkeit der Menschen im Malaienviertel ist nach wie vor der Islam. Aus zehn Moscheen erklingt täglich lautstark das Mittagsgebet, und Alkohol … nö, is nicht – auch nicht im schnieken Hilton.

„The rainbow has come to be the symbol of our nation. We are turning the variety of our languages and cultures, once used to divide us, into a source of strength and richness.“
(Nelson Mandela, 16 December 1995)

Das bunte Spektrum an Kulturen ist mit dem Ende der Apartheid aus deren Schatten getreten und hat auf Bo-Kaaps Hausfassaden abgefärbt. Aber mal ehrlich … raffiniert unauffällig wurde der einstigen Kapkolonie und ganz Südafrika doch damals mit dem Eintreffen der Flying Dutchman schon der bunte Stempel aufgedrückt:
Afrikaans, die Landessprache, hat malaiische Einflüsse. Muslime aus Bo-Kaap hatten die ersten kapholländischen Zeilen zu Papier gebracht, während die meisten weißen Einwanderer gar nicht schreiben konnten. Die Cape Dutch Architektur hätte es ohne den geschickten Händen der Kapmalaien so vielleicht nie gegeben.
Ah ja, und Bobotie – jeder sollte mal Bobotie gegessen haben. Traditionell südafrikanische Küche, die – rate warum – wohl nirgendwo besser zubereitet wird als in Bo-Kaap.

Posted by:Claudia

Grafikdesignerin und Reisebloggerin mit einer Vorliebe für Fotografie, Wordpress und ganz viel Kaffee. Auf dem Land geboren, auf dem Land aufgewachsen. Ausgezogen, um auf Traumpfaden zu wandern, und auch immer wieder gerne heimgekehrt … Gone Walkabout!

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