Es war Mitte Juli. Meine Wanderkollegin Claudia hatte die Gipfelbesteigung des höchsten Berges Vorarlbergs, der Schesaplana, ausgeheckt und geplant. Sie ist die bessere Bergziege von uns beiden. Trittsicherer, mutiger … und Kletterpassagen? Immer wieder gerne. Während bei mir solch Kraxeleien frühzeitig den Vorspann zum Kopfkino auslösen. Sagen wir’s, wie es ist: Ich bin ein Schisser. Trotzdem – ich liebe die Berge. Was es auch ist, es zieht mich und meine offensichtliche Höhenangst immer wieder dorthin.

Zu viert starteten wir im österreichischen Brand. Tagesziel – die Mannheimer Hütte auf 2679 Metern Höhe. Ich hatte schon einige Geschichten über den dorthin führenden Leibersteig gehört. Zu viele Schauermärchen, die mir genug Respekt einflößten, um sicherheitshalber ein Klettersteigset in meinen ohnehin viel zu vollen Rucksack zu stopfen. Alleine die Kamera füllte ihn mal wieder bis zur Hälfte.
Das Wetter spielte mit und kurz vor der Oberzalimhütte hatte ich mich so eingewandert, dass ich dem noch bevorstehenden Aufstieg über den Leibersteig für meine Verhältnisse fast schon optimistisch entgegenblickte. Aber eins nach dem anderen. Zurücklehnen und runterscrollen …

Tag 1

Von der Talstation der Palüdbahn in Brand bis zur Mannheimer Hütte

AnfahrtIndividuelle Anfahrt nach Brand in Vorarlberg. Kostenlose Parkmöglichkeiten sind am Ortsende auf dem Parkplatz der Palüdbahn vorhanden.
Mehr Infos zum Brandnertal unter www.vorarlberg-alpenregion.at
WegpunkteBrand, Talstation Palüdbahn (1068 Hm) – Untere Zalimalpe über Tobelweg (1366 Hm) – Untere Brüggele Alpe (1469 Hm) – Obere Brüggele Alpe (1700 Hm) – Fürkelesteig – Oberzalimhütte (1889 Hm) – Leibersteig – Mannheimer Hütte (2679 Hm)
Harte Fakten
  • Strecke: 9,3 Kilometer
  • Marschzeit: 6,5 Stunden
  • ↑ Aufstieg: 1663 Höhenmeter
  • ↓ Abstieg: 49 Höhenmeter
Was dich erwartetBis zur Untere Brüggele Alpe ist die Route nicht sehr anspruchsvoll. Anfangs führt ein schmaler Waldweg entlang dem Gebirgsbach hinauf zur besagten Alpe und der Hochebene mit ihren malerischen Almwiesen. Der Fürkelesteig erfordert etwas mehr Konzentration, ist aber auch nicht weiter problematisch. Erst der Leibersteig hoch zur Mannheimer Hütte hat es in sich. Mir haben einige doch schon sehr ausgesetzte Stellen, Schneefelder und Kraxeleien über Felsvorsprünge einiges abverlangt. Mit Altschneefeldern muss immer gerechnet werden, da sich der schmale Pfad durch die Schattenseite des Panüeler Kopfs zieht. Leichtsinn ist hier für mein Empfinden absolut unangebracht!
UnterkunftDie Mannheimer Hütte ist ab Ende Juni bis Mitte September geöffnet. Es ist zu empfehlen, vor jedem Besuch die aktuelle Lage abzufragen und in jedem Fall zu reservieren.
Infos und Reservierungen unter www.dav-mannheim.de

„Einige Altschneefelder san scho no da. De Gurt brauchts aber net. D’Seile san no unterm Schnee vergrabn. Isch nur Kopfsach, des schaffts scho! “

Hüttenwirt Matthias Schatz

Wir erkundigten uns nach der aktuellen Wegbeschaffenheit – eigentlich mehr pro forma. Ich war ja „safe“ mit dem Gurt. Pfffhh, denkste! Altschneefelder? Drahtseile unterm Schnee? Als ob ich nicht selbst wüsste, dass es lediglich Kopfsache ist, verdammte Scheiße! Optimismus ade. Da war er wieder der innere Schweinehund. Und er bellte und fluchte und schimpfte lauter denn je.

Tag 2

Von der Mannheimer Hütte zum Schesaplanagipfel und über die Totalp zurück zur Talstation der Palüdbahn

WegpunkteMannheimer Hütte (2679 Hm) – Brandner Gletscher – Grenzübergang Vorarlberg (Österreich) / Graubünden (Schweiz) – Schesaplana (2937 Hm) – Grenzübergang Graubünden (Schweiz) / Vorarlberg (Österreich) – Totalphütte (2385 Hm) – Lünersee (1970 Hm) – Böser-Tritt-Steig – Brand, Talstation Palüdbahn (1068 Hm)
Harte Fakten
  • Strecke: 14,8 Kilometer
  • Marschzeit: 7,5 Stunden
  • ↑ Aufstieg: 258 Höhenmeter
  • ↓ Abstieg: 1872 Höhenmeter
Was dich erwartetDie Überquerung des Brandner Gletschers ist unproblematisch. Entlang der Schweizer Grenze beginnt dann der Aufstieg zum Gipfel über gerölliges Terrain. Keine technische, vielmehr eine konditionelle Herausforderung. Den Südhang einer hufeisenförmige Hochmulde zwischen Schesaplana und Felsenkopf querend führt der zu Beginn sehr steile Abstieg zur Totalp über viel Schnee und Schotter. Ab der Totalphütte bleibt der Weg entspannt – auch der Böse-Tritt ist gar nicht mal so böse wie er tut.

Am Morgen des zweiten Tages machte mir die bevorstehende Gipfelbesteigung der Schesaplana wenig Sorgen. Anstrengend kann ich. Anstrengend, steil und ausgesetzt … da wird’s dann problematisch.
Der Einstieg zum Ostaufstieg, der von der Totalp herführt, sollte unseren Abstieg markieren und gleichzeitig unseren kurzen Abstecher in die Schweiz beenden. Die Drahtseile am Zugang zum Steilhang wurden erneut von Schnee verschlungen. Während Eva mit zwei schwungvollen großen Schritten vorwärts-abwärts die Stelle … zack … überwand, gab ich rückwärts auf den Knien das Kleinkind. Ob auf Knien, Skiern oder dem Hosenboden. Hinunter kommen se dann alle …

Anzeige »
Bergfreunde.de - Ausrüstung für Klettern, Bergsport und Outdoor


„Im Jänner 2019 wurde die Totalphütte auf 2.385 m im Rätikongebirge durch eine Staublawine fast zur Gänze zerstört. Mit vereinten Kräften werden wir versuchen, die Alpenvereinshütte am Fuße der Schesaplana wieder zu errichten.“

Alpenverein Vorarlberg (Nachtrag Februar 2019)
aut-schesaplana-23-wp

Posted by:Claudia

Grafikdesignerin und Reisebloggerin mit einer Vorliebe für Fotografie, Wordpress und ganz viel Kaffee. Auf dem Land geboren, auf dem Land aufgewachsen. Ausgezogen, um auf Traumpfaden zu wandern, und auch immer wieder gerne heimgekehrt … Gone Walkabout!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.