Neben einigen anderen Wunschdestinationen stand Island schon lange auf meiner Reiseliste. Dort war es bisher nicht mehr als eine Notiz, ein Ziel in weiter Ferne. Bis zu dem Tag, als ich zufällig den Kurzfilm „The Accord“ im Kino gesehen habe. Er spielt in Island und handelt von einem isländischen Profi-Surfer, der trotz schweren Wetter- und besonders Windbedingungen immer wieder sein Glück in den kalten Wellen findet. Dieser Film, diese beeindruckenden Bilder, haben in mir ein Fernweh geweckt, dass ich so noch nicht gekannt habe. Ich musste nach Island! Und zwar schnell!
Zum Glück gibt es Resturlaub sowie relativ günstige Flüge auf die Insel der Feen und Trolle. Mit der isländischen Billigfluggesellschaft WOW-Air (es sind PINKE Flugzeuge!) ging es für mich nur drei Wochen nach dem beeindruckenden Kurzfilm up in the air und ab nach Island.

23.11.2016 – Ankunft im Land von Feuer und Eis

Nach viereinhalb Stunden Flug (mit einer Stunde Zeitverschiebung) Ankunft am Flughafen Keflavik. Dort warten auf alle Neuankömmlinge vor dem Flughafengebäude einige Shuttle-Busse mit Ziel Reykjavik. Ich hatte mein Shuttle-Ticket bereits vor meiner Reise im Netz über mein Hostel gebucht. Das Busticket kann man aber auch über die Flughafenwebsite oder direkt vor Ort am Flughafen kaufen (ob FlyBus oder GrayLine, spielt preislich keine Rolle).

Nach einer ca. 40-minütigen Fahrt wird man von den Bussen direkt vor seinem Hotel oder Hostel abgesetzt. Mein Zuhause für die kommenden 5 Tage ist das KEX Hostel in der Nähe des Hafens, nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt. Die ehemalige Keksfabrik (daher der Name) schaut von außen nicht besonders einladend aus – von innen bleibt einem jedoch die Kinnlade offen stehen. Der große Empfangsraum ist Rezeption, Aufenthaltsraum, Bar und Restaurant in einem. Mit viel Liebe zum Detail, alten, stilvollen Möbeln, ganz viel Charme und Mitarbeitern die das Hipstertum leben, wie Berlin es sich nicht zu träumen wagt, fühlt man sich hier gleich pudelwohl. Mein 6-Bett-Zimmer ist spartanisch eingerichtet, aber trotzdem mit einem ganz besonderen Stil und einer Portion Gemütlichkeit. Die erste Nacht habe ich das Zimmer sogar ganz für mich alleine!

Den ersten Abend verbringe ich im KEX-Restaurant bei leckerem Lachs und einem dunklen X-Mas-Bier (Jonagull). Das Gute: zwischen 17 und 19 Uhr ist hier Happy Hour. Da sollte man zuschlagen, denn Alkohol und Essen sind in Island bekanntlich sehr teuer. Für 2.600 Kronen (umgerechnet ca. 21 Euro) ist es daher trotz Happypreis immer noch ’ne Stange Geld für ein einfaches Abendessen mit Christmas-Brause – aber darüber denkt man im Urlaub besser nicht nach. Das fatale in Reykjavik ist jedoch auch, dass man hier ALLES, sogar nur die Tasse Kaffee, mit der Kreditkarte bezahlt. Super praktisch, aber finanzieller Überblick gleich null.
Ob es die Aufregung ist, die frühe Dunkelheit, die Anstrengung der Reise oder das X-Mas-Bier – ich weiß es nicht – jedenfalls liege ich um 21 Uhr im Bett.

24.11.2016 – gemütlich und entspannt

Dem frühen zu Bett gehen verschuldet, bin ich am nächsten Tag schon um 06:30 Uhr wach. Draußen ist es NATÜRLICH noch dunkel und es nieselt leicht. Trotzdem packe ich mich dick ein und laufe planlos in die Dunkelheit, in Richtung Haupteinkaufsstraße Laugavegur. Nachdem ich auf meinem Weg dorthin nur zwei Personen begegnet bin, freue ich mich umso mehr, als ich endlich ein kleines, süßes Kaffee gefunden habe, dessen Türen schon offen stehen: das Kaffifélagid. Also erst mal einen doppelten Cappuccino und ein noch warmes Vanillecroissant (das beste, das ich je gegessen habe). Wasser steht eigentlich in allen Kaffees kostenlos zur Verfügung. In manchen kann man sich sogar kostenlos Kaffee nachschenken. Mit der freundlichen Barista komme ich ins Gespräch. Ich erzähle ihr, dass ich in der (Touristen-)Attraktion „The Blue Lagoon“ keine Reservierung mehr für meinen Trip bekommen habe, daraufhin empfiehlt sie mir, eines der Schwimmbäder in Reykjavik zu besuchen. Ihre Empfehlung: das Vesturbaejarlaug im Westen der Stadt.

Mit diesem Hinweis im Kopf geht es für mich wieder raus auf die Straße. Inzwischen ist es 9:30 Uhr, aber immer noch völlige Dunkelheit. Mein nächster Stopp: zweiter Kaffee bei den Reykjavik Roasters in der Kárastígur. Hier wird der Kaffee selbst geröstet und man kann es sich auf Sofas und Sesseln gemütlich machen. Nur wenige Meter weiter gibt es etwas fürs Auge und für den Gaumen. Die Bäckerei „Braud & Co“ ist bei den Bewohnern von Reykjavik, aber auch bei den Touristen sehr beliebt, so dass man sich schon mal in einer Reihe anstellen muss, um sein Brot, seine Brötchen oder die leckeren Croissants zu bestellen. Das Gute daran: während man auf seine Backwaren wartet, kann man den schönen isländischen Bäckern beim Handwerk zuschauen. Zum Anbeißen!


Um zehn lässt sich dann auch endlich die Sonne bzw. das erste Tageslicht blicken. Zu Fuß gehe ich weiter in Richtung Westen der Stadt. Aufgrund des Regenwetters mache ich einen Abstecher im Museum of Art. Für 1.500 Kronen (ca. 12 Euro) Eintritt kann man hier viel Zeit verbringen und vom Museums-Kaffee hat man einen herrlichen Blick auf den alten Hafen.

Nachdem sich der Regen gelegt hat und ich meine Schwimmausrüstung geholt und ein warmes Mittagessen im Hostel gegessen habe, geht es ab ins Bad. Ein Schwimmbad in Island entspricht eigentlich unseren Thermalbädern. Es gibt im Vesturbaejarlaug zwar auch ein Kaltwasserbecken, die restlichen fünf sind allerdings zwischen angenehmen 36 und 42 Grad warm. Für 900 Kronen (ca. 7 Euro) geht es ab ins Badevergnügen. Während der kalte Regen auf den Kopf prasselt und der Wind einem ins Gesicht peitscht, liegt man zwischen Isländern im heißen Wasser und genießt die volle Entspannung. Ich kann das nur jedem empfehlen.

Total relaxed geht es nach dem Badespaß zu Fuß zurück ins Städtle, denn baden macht bekanntlich hungrig. Also gibt’s was Gesundes bei Glo. Lecker und mit gratis WLAN ;)
 Zurück im Hostel lasse ich den wunderbaren Tag erneut bei X-Mas-Bier und mit netten Menschen aus aller Welt ausklingen.

25.11.2016 – raus in die Natur

Für diesen Tag hatte ich bereits in der Heimat über www.getyourguide.com einen Trip zu den Reykjadalur Hot Springs gebucht. Um neun Uhr werde ich vor meinem Hostel vom Guide abgeholt und wir fahren raus aus Reykjavik in die wilde Natur Islands. Nachdem der Bus geparkt hat, geht es los mit dem knapp zweistündigen Marsch. Unser Ziel: ein natürlich warmer Flusslauf, in dem wir baden können. Unser Weg führt über dicke schwarze Lavaschichten, weiche Mooshügel, vorbei an dampfenden und kochend heißen Quellen, kleinen Flüssen, wilden Wasserfällen, über gefrorene Schneeschichten und durch stinkenden Schwefeldampf – einfach herrlich. Ich sauge alles in mich auf (ja, auch den Schwefel) und lasse mich verzaubern.


An unserem Ziel angekommen, suchen wir uns einen geeigneten Platz, um baden zu gehen. Der ist schnell gefunden, denn wir sind früh dort und noch haben sich erst wenige andere Besucher auf den Weg dorthin gemacht. Also raus aus den Klamotten und rein ins Vergnügen. Da liege ich schließlich mitten im 30 Grad warmen Flussbett mit Blick auf einen von Schnee gefleckten Berg. Irgendwann jedoch wird einem klar, dass man aus den angenehmen Temperaturen auch wieder raus muss. Gar nicht mal so geil, bei 2 Grad Außentemperatur und eisigem Wind, der sich auf der nassen Haut wie tausend Nadelstiche anfühlt.

Es lohnt sich trotzdem, denn wenn man es geschafft und endlich wieder all seine vielen Klamotten angezogen hat, fühlt man sich frisch wie nie! Ein Tipp: nehmt Plastiktüten mit, in die ihr eure Sachen legen könnt. So bleibt alles sauber und trocken. Eine Tüte könnt ihr außerdem benutzen, um darauf zu stehen, wenn ihr euch wieder anzieht. Die Wiese um den Fluss ist in unserem Fall nämlich überall etwas matschig und feucht gewesen.

Nach einer kleinen Stärkung geht es wieder zurück zum Bus und heim ins Hostel. Als erstes eine heiße Dusche. Dann gönne ich mir noch ein X-Mas-Bier und einen KEX-Burger in der Happy Hour ;)

26.11.2016 – der alte Hafen

An diesem Tag will ich mir den alten Hafen von Reykjavik ansehen. Vorher steht aber noch ein anderer Punkt auf meiner Liste: Hallgrímskirkja. Die Kirche im Stadtzentrum von Reykjavik ist ein echter Tourimagnet. Nicht weil die Leute darin ihr Gebet sprechen wollen, sondern weil man vom Turm aus einen klasse Blick über die ganze Stadt und noch weiter hat. Nach meinem typischen Island-Frühstück – Cappuccino und Croissant – stehe ich schließlich in einer Schlange zum Aufzug auf den Kirchenturm – ja, richtig gehört, es gibt einen Aufzug (und bereits eine Schlange um 10 Uhr morgens). Treppen können nicht genutzt werden, wird mir an der Kasse gesagt. Ich bin nämlich gar nicht mal so ein Aufzug-Fan. Egal, da muss ich jetzt durch. 900 Kronen ärmer und 8-Stockwerke höher werde ich dann aber auch mit einem Klasse Ausblick belohnt.


Anschließend geht’s Richtung Hafen. Auf dem Weg dorthin muss ich immer wieder stehen bleiben und den Blick übers Meer genießen, hin zu den schneebedeckten Bergen. Sie haben eine unglaubliche Ausstrahlung und Anziehungskraft auf mich. Aber der eisige Wind erinnert mich immer wieder daran, weiter zu gehen und auch ziemlich bald wieder ein warmes Plätzchen aufzusuchen.

Et voilá, wie der Isländer sagt, da kreuzte das gemütliche Kaffee Kaffislippur meinen Weg. Die offene Feuerstelle in der Mitte des Kaffees kommt wie gerufen. Dazu eine heiße Schokolade mit Sahne und Marshmallows – ein Traum! Das gratis WLAN und Wasser brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen, weil das gibt es fast jedem Kaffee in Reykjavik. Besonders ist dafür aber der Ausblick auf den Hafen und die Berge dahinter.

Gestärkt und gewärmt laufe ich über das ganze Hafengelände mit all seinen tollen Läden und einmaligen Fotomotiven. Ich erklimme den púfa, ein Kunstwerk von Ólöf Nordal. Von dem mit Gras bewachsenen Hügel hat man gleich zwei fantastische Ausblicke: Auf der einen Seite die Stadt Reykjavik mit der Harpa im Vorder- und der Hallgrímskirkja im Hintergrund. Und auf der anderen Seite die Berge. Wunderschön!

Auf meinem Rückweg gibt es noch die beste Fischsuppe meines bisherigen Lebens im Kaffivagninn. Da mich mein Weg ohnehin daran vorbeiführt, statte ich danach der Harpa, dem modernen Konzert-, Event- und Museumshaus von Reykjavik einen Besuch ab. Eigentlich möchte ich mir die vritual reality Ausstellung von Björk ansehen, komme dazu aber leider zu spät. Also schlendere ich durch das beeindruckende Gebäude, schaue aufs Meer, beobachte die Leute und krame in den Souvenirshops. Ein Besuch ist es allemal wert, denn es kostet keinen Eintritt (außer man möchte ein Konzert oder ein Event besuchen) und die Architektur des Gebäudes ist von außen wie von innen beeindruckend (gestaltet vom dänisch-isländischen Installationskünstlers Ólafur Eliasson).

Meinen letzten Abend lasse ich im Kaffibarinn bei guter Live-Musik, unter netten Leuten und mit etwas zu viel Bier ausklingen. Am nächsten tag geht es zurück in die Realität :(

FAZIT

Ich würde es immer wieder tun. Reykjavik ist eine tolle Stadt – viele Touristen, selbst um diese Jahreszeit, aber ansonsten sehr inspirierend. Gute Musik, mystische Natur, leckeren Kaffee und ganz viele freundliche Menschen. Ich werde auf jeden Fall wieder kommen. Und beim nächsten Mal nehme ich mir mehr Zeit, um noch weitere Teile dieser Insel kennenzulernen und zu entdecken. Ich freu‘ mich drauf und spar‘ schon mal ;)

Posted by:Anna-Lena Gröner

Mein Name ist Anna-Lena Gröner und wenn ich nicht gerade als Texterin arbeite, bin ich eigentlich Vollzeitmuddi. Meine Erfahrungen hierzu verarbeite ich auf meinem Mama-Blog killepupmitlala. Ob mit Kind oder ohne, wenn ich Zeit habe, verbringe ich diese gerne draußen. Am liebsten in der Natur und am allerliebsten in anderen Ländern, kombiniert mit gutem Essen und netten Menschen.

One thought on “Hallo Reykjavik! Bis ganz bald Island …

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