Neues Camp, neue Instructor, neue Leute. Ich tue mich schwer, all das, was mir in vier Wochen Makuleke so ans Herz gewachsen ist, zurückzulassen und optimistisch ins ungewiss Neue aufzubrechen. Nicht weil das was kommt schlecht sein könnte. Einfach, weil ich so bin: ein Schisser. Es geht in rasantem Tempo auf die Exams zu, dementsprechend steigt der Druck, der Anspruch und exponentiell dazu meine Unsicherheit. Nach dem ersten Drive hier in Selati, habe ich direkt die Entscheidung getroffen, nicht mehr zu guiden. Allein der Gedanke an einen Assessment Drive lässt mich ins Prüfungs-Koma fallen. Also lass‘ ich’s bleiben!


Trotzdem versuche ich, so gut es geht mitzuhalten. Weiter zu lesen, zu lernen, nachzufragen, zu beobachten und zu entdecken. Selati ist anders als Makuleke. Es ist nicht weniger schön, aber es hat eben nicht diese Magie, nicht denselben ungezähmten Charme, der mich dort sofort gepackt hat. Dafür stehen in einem geschlossenen Areal wie Selati die Chancen auf „Big Game“ ziemlich gut. Bevor es 1993 zum Game Reserve wurde, wurde ein Großteil der Fläche viele Jahre lang zur Rinderzucht genutzt. Übernutzung, Verbuschung, Erosion etc. sind nur einige der Folgen, die die Artenvielfalt der Region beeinflussen. „Conservation“ ist das Zauberwort und großes Thema hier.


Und dann liegt da noch ein anderer, deutlich weniger sympathischer Zauber in der Luft – eher so aus der Kategorie Besessen-Sein. „Tasks!“ – Aufgaben zu verschiedensten Themen, die ein Field Guide halt so können muss: Säugetiere und Vögel erkennen. Ihr Verhalten deuten. Alarmrufe. Bäume und ihre medizinischen und traditionellen Nutzen. Spuren lesen. Sternbilder. Und. Und. Und. Gar nicht mal so wenig. Bereits in Makuleke waren einige so scharf darauf, abgezeichnet zu werden, dass mir fast schon die Ohren bluteten. Mein Entschluss, den Assessment zu schmeißen, macht die zahllosen „Sign-Offs“ für mich hinfällig und rettet mich damit wahrscheinlich vor dem Bush-Burn-Out. Bis zu diesem einen Tag, der meine ganze Entschlossenheit wieder zunichte macht …

Wer um Himmels Willen hätte auch ahnen können, dass ich diese verflixte Theorieprüfung bestehen würde?


„Wie bescheuert wäre es bitte, den Drive jetzt nicht wenigstens zu versuchen?“ … dachte sie und schrieb sich auf der Prüflings-Liste ein. Ganz ans Ende. Als letzte. Lediglich einen einzigen Drive habe ich hier in Selati geguidet. Ich kenne die Strecken nicht und die Karre auch nicht wirklich. Aber hey, warum auch auf einfachem Wege, wenn es auch kompliziert geht?!
Mit herausragender Eloquenz werde ich ziemlich sicher nicht glänzen können, also versuch‘ ich es mit einem spiegelblanken Land Rover und allem, worauf man sich gut vorbereiten kann. Die Briefings. Das Hosting. Und ortsfeste Naturphänomene entlang einer möglichst idiotensicherer Route, die ich mir unverschämterweise von einem meiner Kollegen abschauen werde. Sorry dafür! Gut, und den Rest muss dann wohl der Alkoholgehalt der Sundowner-Getränke erledigen. So der grobe Plan.


Während sich nun mit jedem weiteren erfolgreichen Field Guide Absolventen die allgemeine Stimmung im Camp mehr und mehr löst, werde ich von Tag zu Tag angespannter. Dann der Tag X – ich bin im Tunnel. So sehr, dass ich anfangs die lieben Tierchen rechts und links des Weges verpasse und stur geradeaus durch die Prärie brettere. Nach dem ersten Stop wird’s besser und bis zum Sundowner läufts eigentlich ganz gut. Na ja, bis ich dann auf dem Rückweg verschussle, den Monster-Zweig zu erwähnen, der meinen Assessor fast vom Wagen katapultiert. Er ist kurz etwas angepisst. Die zwei Amarula-Shots und das Bier kurz zuvor haben vermutlich seinen Schmerz betäubt. Die hübsche Löwen-Dame, der wir nicht viel später begegnen, trägt ihr übriges dazu bei, dass sich seine Laune schnell wieder hebt.

Nach gut drei Stunden Prüfungs-Safari endet schließlich am Abend des 28. November 2017 meine Ausbildung zum Field Guide …

„You have definitely passed!“

Posted by:Claudia

Grafikdesignerin und Reisebloggerin mit einer Vorliebe für Fotografie, Wordpress und ganz viel Kaffee. Auf dem Land geboren, auf dem Land aufgewachsen. Ausgezogen, um auf Traumpfaden zu wandern, und auch immer wieder gerne heimgekehrt … Gone Walkabout!

2 replies on “Field Guide Level 1 – Lehrreiches Selati

  1. Spannend und herzlichen Glückwunsch! (über den Monsterzweig als Katapult musste ich schon ein wenig lachen) Ich glaube bei diesem riesigen Skorpion hätte ich für kein Bild still halten können. Danke für die schönen Eindrücke der Natur Afrikas!

  2. Oh wow, danke für deine tollen Blogbeiträge. Ich starte im Februar mit meiner Ausbildung als Field Guide und kann es kaum erwarten. Hast du noch weitere Tipps und Tricks für diese Zeit? Evtl. eine Packliste, was tatsächlich alles mitsoll? Was hast du nach dieser Ausbildung gemacht?
    Danke für deine Rückmeldung & Liebe Grüsse
    Andrea

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