Da stand ich nun. Irgendwo im Nirgendwo, in dieser Einöde Mitten im Pazifik. Der orkanartige Wind knallte mir den grobkörnigen Sand um die Ohren und schliff meine ohnehin sonnenverbrannte Haut wie mit Schmirgelpapier. Gute vier Kilometer sollten es sein vom Parkplatz aus. Vier Kilometer in der prallen Sonne, die ich doch längst schon bewältigt haben müsste. Doch mit jedem Schritt nach vorne, wurde ich von der nächsten Böe direkt wieder gefühlte zwei zurückgepustet.
Es ist der südlichste Punkt der USA, der sich nicht wie viele glauben in Florida, sondern genau hier am Ka Lae oder South Point der Big Island of Hawaii befindet. Nächste Station nach endlosen Ozeanweiten: die Antarktis! Doch nicht der wenig spektakuläre „Point“ war mein eigentliches Ziel, sondern der Papakōlea Beach. Schneeweiße, kohlrabenschwarze und goldgelbe Strände waren gestern. Heute ist Grün – Green Sands Beach.


Als ambitionierter Rallye- oder Motorcrossfahrer könnte man sich mit einem geländetauglichen Fahrzeug auch auf Rädern über die steinige Buckelpiste wagen. Ich nicht. Den einen richtigen Weg gibt es nicht. Solange man sich im Labyrinth der tausend Trampelpfade aber an der Küstenlinie orientiert, kann man vom Kurs auch nicht abkommen. Nach etwa einer Stunde dann – die übrigens ausreichte, um mich komplett zum Schnitzel zu panieren – erhob sich vor mir eine Felswand, die sich als der nordöstliche Teil des Aschekegels herausstellte, in dessen Mitte sich heute der grüne Sandstrand der Mahana Bay befindet. Die dem Meer zugewandte Seite wurde über viele tausend Jahre hinweg vom Pazifik ausgewaschen.


Und der Zahn der Zeit nagt in Form mächtiger Pazifikwellen weiterhin unaufhörlich an der Oberfläche des 49.000 Jahre alten Vulkankegels des Mauna Loa, frisst die olivgrün schimmernden Kristalle des Halbedelsteins Olivin aus dem Basaltgestein heraus und lässt die Hawaiianischen Diamanten als grünen Sand am Papakōlea Beach zurück.


Motiviert von einem kräftigen Tritt in den Hintern wagte sich nach kurzer Überwindungszeit dann auch mein Schweinehund den steilen Abstieg entlang der Kraterinnenwand hinunter zum Ufer – dicht gefolgt von mir und einigen wenigen weiteren Personen.
Obwohl Green Sands Beach längst in allen Reiseführern auf der To-Do-Liste ganz oben steht, scheinen sich nur wenige Touristen hieraus in die hawaiianische Prärie zu verirren. Gut, einige Dinge gibt es vielleicht, die dagegen sprechen: weiße Schuhe, weiße Haut, ein dürftiger Sonnencreme- und Wasservorrat, Höhenangst und jegliche weitere Termine am selben Tag, bei denen man in einem halbwegs gepflegten Aufzug erscheinen sollte.
Nennt mich verrückt, Freunde, aber selbst dann lohnt sich der Abstecher. Und dann noch dieses rosa Abbruchhaus mit „Hawaiianischem Mix Tape“ auf dem Weg dorthin … ein Traum!


Posted by:Claudia

Grafikdesignerin und Reisebloggerin mit einer Vorliebe für Fotografie, Wordpress und ganz viel Kaffee. Auf dem Land geboren, auf dem Land aufgewachsen. Ausgezogen, um auf Traumpfaden zu wandern, und auch immer wieder gerne heimgekehrt … Gone Walkabout!

One thought on “Heute mal in Grün – Green Sands Beach

  1. Ich liebe diesen Kontrast von rauer Landschaft zu blauem Meer. Sehr schöne Bilder!!!
    Den Green Sand Beach habe ich leider nicht gesehen, dafür den Black Sand Beach , wo man auch ganz wunderbar mit Schildkröten schnorcheln kann.

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