Er gilt als der härteste Fernwanderweg Europas. Der Grande Randonnée 20 auf Korsika – kurz GR20. Und er ist der erste Fernwanderweg, den ich gehen würde. Meine deutlich erprobtere Wanderfreundin Claudia hatte die Tour astrein eingefädelt und an wirklich alles gedacht. Ich selbst hatte von dem, was da genau auf mich zukommen würde, erstmal wenig Ahnung.

Was sollte ich mir im Vorfeld auch einen Kopf machen? Vergleichswerte hatte ich ja eh keine. Der Rother Wanderführer stuft die Marschroute im Durchschnitt so mittelschwer ein, streckenweise auch schwierig und anspruchsvoll mit dem hoffnungsvollen Hinweis „Die Einstufung bezieht sich immer auf die schwierigste Stelle einer Etappe, die auch nur kurz sein kann und manchmal umgangen werden kann.“ Na dann …
Soviel vorweg: Ich würde es wieder tun. Meine persönlichen GR20-Erfahrungen als normalsterblicher Gelegenheitswanderer habe ich für dich in zwei Teilen zusammengefasst. In Nummer Eins geht’s darum, die Tour durchs „Gebirge im Meer“ im Vorfeld möglichst geschickt zu planen.

1. Die Rahmenbedingungen abstecken

Der GR20 führt auf insgesamt 168 Kilometern und 15 Tagesetappen in Nord-Süd-Richtung durch das raue, zerklüftete Hochgebirge Korsikas. Wir befinden uns auf alpinem Terrain mit Höhen von bis zu 2.706 Metern. Die nördliche Streckenhälfte ist die steilere mit höherem Schwierigkeitsgrad. Den Abschnitt außerhalb der empfohlenen Reisezeit von Juni bis September zu gehen, halte ich für puren Leichtsinn. Selbst im Sommer muss noch mit Restschneefeldern und Wetterkapriolen gerechnet werden.
Unsere persönliche Zeitrechnung – sorry, ich steh‘ auf Formeln – umfasste insgesamt 12 Tage von Ende Juni bis Anfang Juli. Ständig die Zeit im Nacken spüren zu müssen klingt eher weniger nach entspanntem Wandern und würde im Falle von Schlechtwetterperioden oder völliger Erschöpfung ein Sicherheitsrisiko bedeuten. Vier Tage Puffer geben die Gewissheit, auch mal den ein oder anderen Tag aussetzen zu können. Dazu jeweils einen Tag für An- und Abreise, machen summa summarum sechs Tagesetappen, die wir so realistisch schaffen konnten. Würden wir reibungslos durchkommen, hatten wir die Option, (A) zu verlängern oder (B) noch einige Strandtage zur Erholung dranzuhängen.

2. Die Route festlegen

Sechs Etappen also. Und welche? Wir wollten den alpineren Nordteil angehen, da waren wir uns einig. Blöd nur wäre, im Norden festzuhängen, weil die Wetterprognosen lausig sind. Denn bei Katzenhagel will keiner von uns im Hochgebirge herumturnen. Die Idee war also, etwa auf halber Höhe einzusteigen und von da aus nach Calenzana im Norden aufzubrechen. Sollten alle Dämme brechen, hatten wir so bis zuletzt die Süd-Route in Richtung Conca als Plan B in der Hinterhand. Das war Claudis erster Streich.

Und der zweite – der heißt Tattone und ist, na ja, eigentlich nicht arg viel mehr als eine winzige Bedarfsstation zwischen Vivario und Vizzavona auf der Bahnlinie Bastia–Ajaccio. Aufgepasst! Nach Vivario solange panisch den „Bitte halten“-Knopf drücken bis das Haltestellenschild Tattone zeigt. Nur wenige Meter unterhalb des Bahnhofgebäudes liegt der wunderbare Campingplatz Le Soleil. Sich nochmal ordentlich mit Pizza vollfressen. Dazu korsisches Kastanienbier oder ein Gläschen Myrthelikör. WiFi nutzen. Und ganz wichtig … nochmal ausgiebig warm duschen. Le Soleil ist goldrichtig, um den Anreisetag fürstlich und enstpannt ausklingen zu lassen. Denn eines ist klar – so luxuriös wird’s ab sofort erstmal nicht mehr.

Von Tattone aus sechs Tagesetappen nach Norden würde bedeuten, wir verbringen unsere erste Nacht am Refuge de Petra Piena, die zweite am Refuge de Manganu. Mit dem Castellu di Verghio – dritte Nacht – sind wir wieder in der Zivilisation angekommen. Hier gibts zur Not auch Verkehrsanbindungen. Nummer vier, Refuge Ciuttulu di i Mori, ein Träumchen! Dann Refuge Tighiettu und das sechste und letzte Mal schlagen wir in Haut-Asco unser Lager auf.

Bergglück für Fortgeschrittene – eine Woche auf dem GR20

Eine kurze Beschreibung jeder der sechs Etappen, wie es mir genau ergangen ist und jede Menge Impressionen findet ihr in meinem Gastbeitrag auf dem Blog von Fräulein Draussen: Klickt euch rein!

Im Hôtel Le Chalet Haut-Asco können sich Schluffi-Camper, die vom Zelten die Schnauze voll haben, auch Zimmer nehmen. Für eine gebührende Abschluss-Sause sind im Restaurant Hotelgäste wie auch Camper herzlich willkommen. À votre santé … auf dass die steile Zick-Zack-Fahrt im Bus talwärts tags darauf dann so richtig knallt! Auskunft über die Abfahrtszeiten bekommt man direkt im Restaurant. Frühstück auch.

Mehr Details & Infos
  • Zum Planen vorab und Orientieren unterwegs ist der sehr handliche Rother Wanderführer Korsika GR20* schwer zu empfehlen. Die Routenbeschreibung verläuft von Nord nach Süd – nicht ganz einfach durchzusteigen, wenn man den Weg in umgekehrter Richtung läuft.
  • Fahrplan der korsischen Eisenbahn CFC Linie Bastia–Ajaccio unter www.corsicabus.org
  • Die erste Nacht auf dem Campingplatz Le Soleil direkt am Trail-Head in Tattone – www.camping-lesoleil.com

3. An-, Ab- und Weiterreisen

Schnell, unkompliziert und für etwa 200 Euro (inkl. Aufgabegepäck) kommt man mit EasyJet per Direktflug vom EuroAirport Basel-Mulhouse nach Bastia im Nordosten Korsikas und wieder zurück. Jede Stunde fährt ein Shuttlebus, die Navette, vom Flughafen Bastia in die Stadtmitte – Ausstieg ist gegenüber der Touristeninformation nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt.
Claudis clevere GR20-Hacks #3 – Gepäckaufbewahrung in Bastia. So einfach wie genial – für alle, die sich fürs Ende der Wanderung einige saubere Klamotten bunkern oder vor der Tour nochmal ausmisten und Gewicht loswerden wollen. Oder um unbeschwert die Stadt zu erkunden. Nicht weit vom Bahnhof entfernt liegt der kleine, unscheinbare Outdoor-Laden Objectif Nature, wo du für vier Euro pro Gepäckstück und Tag deine Habe sicher wegschließen lassen kannst.

Mehr Details & Infos
  • Flugbuchung auf easyjet.com
  • Über den Bastia Airport und Airport-Shuttle unter www.flughafendetails.de
  • Objectif Natur, fon: +33 (0) 4 95 32 54 34, objectif-nature-corse.com

4. Den Rucksack packen

Meine detaillierte Packliste für die sechs nördlichen GR20-Etappen kannst du dir zum Ausdrucken und Abhaken downloaden. Einige Punkte im interaktiven PDF sind verlinkt zu Produkten, die ich selbst nutze und empfehlen kann.
Viel Spaß damit!

Packliste downloaden

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5. Die Lage checken

Kurz vor dem Tourenstart haben wir permanent sowohl Wetterlage als auch die aktuelle Wegbeschaffenheit verfolgt. Wir hatten das Glück, dass wettertechnisch für uns nur ausnahmslos Gutes versprochen wurde, sodass wir die schwere Hardshell aus dem Rucksack verbannten und nur der Notfall-Poncho Platz fand.

Mehr Details & Infos
  • Der offizielle Blog des „Parc Naturel Régional de Corse“ ist immer auf dem Laufenden bezüglich der Schneeverhältnisse, Wegbeschaffenheit, etc. auf dem GR20: randoblogpnrc.blogspot.de

Im Post ist der ein oder andere Affiliate-Link (*) vergraben. Darüber erreichst du nur Produkte und Seiten, die ich selbst auch empfehlen kann. Jeder Einkauf auf der jeweilig verlinkten Seite würde mir ein kleines Trinkgeld in Form einer Provision bescheren. Du zahlst den üblichen Preis und erhältst zusätzlich mein unangefochtenes Ansehen auf Lebenszeit. Vielen Dank!

Posted by:Claudia

Grafikdesignerin und Reisebloggerin mit einer Vorliebe für Fotografie, Wordpress und ganz viel Kaffee. Auf dem Land geboren, auf dem Land aufgewachsen. Ausgezogen, um auf Traumpfaden zu wandern, und auch immer wieder gerne heimgekehrt … Gone Walkabout!

7 replies on “GR20 Korsika – Planen & Packen

    1. Hallo Peter,
      tausend Dank für dein Lob :) Schätze du bist gerade unterwegs auf Korsika. Lass‘ mal hören, wie es war, wenn du wieder da bist. Würde mich freuen. Viel Spaß noch und ganz liebe Grüße aus dem Schwarzwald,
      Claudi

  1. Hallo Claudia, ich habe gerade auf Deiner Seite gestöbert und eine große Vorfreude auf unsere Zeit auf dem GR20 bekommen. Vielen Dnk dafür. Die Packliste sieht super aus wie Peter bereits geschrieben hat, „die schönste die ich je gesehen habe.“ Kannst Du mir verraten wie bzw. mit welchem Programm Du sie erstellt hast? Vielen Dank bereits im Voraus…
    Simon

    1. Hallo Simon,
      vielen Dank! Freut mich wenn sie dir gefällt und du sie brauchen kannst. Das Equipment habe ich mit Aquarell gezeichnet, eingescannt und mit Adobe Photoshop die einzelnen Elemente nochmal farblich angepasst und abgespeichert. In InDesign habe ich die Packliste dann gesetzt und als interaktives PDF exportiert. Das wars :)
      Viel Spaß auf dem GR20, genieß‘ die Zeit!
      LG,
      Claudi

  2. Hi Claudia,

    ein sehr schöner Bericht. Deine Bilder – sowohl die gemalten als auch die Collagen – gefallen mir richtig gut! Ein richtiges Kunstwerk und vor allem sehr einzigartig.

    Viele Grüße

    Michal

  3. Hallo Claudia,
    wir wollen im September nach Korsika und suchen noch nach einer Möglichkeit, Teile unseres Gepäcks während der GR20-Wanderung irgendwo zu deponieren. Da käme uns Dein Tipp mit Objectif Nature sehr gelegen. Weisst Du zufällig, ob das auch 2019 noch möglich ist oder gibt es eine Quelle/Website, wo man nach gucken könnte?
    Danke und Gruß, Kai

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