Irgendwie könnte es irgendwo sein: rote Doppeldeckerbusse gespickt mit wohlfrisierten Touristenhäuptern, vertraute deutsche Laute, die durch belebte Straßen hallen, schnieke Immobilien „for sale“. Kapstadt. Wo gebaut wird, gebettelt, gefeiert, gelebt. Gebadet in Armut und Reichtum, in zwei Ozeanen, indisch und atlantisch. Und dazwischen … die Hoffnung. So vieles gibt es hier zu erleben, was vielleicht noch niemand zuvor erlebt hat, vieles zu erzählen, was schon viele Male erzählt wurde. Mit einer weiteren Cape-Town-To-Do-Liste werde ich euch jedoch verschonen. Die gibt’s massig, besser und umfassender als ich es je könnte. Kapstadt ist der Ort, wo meine erste Afrikareise beginnen sollte. Meine Geschichte aber beginnt dort, wo Afrika sich für mich zum ersten Mal nach Afrika anfühlt. Raus aus der europäischen Wohlstandsglocke um den Kapstadter Vorort Camps Bay – bis wenige Kilometer hinter dem Örtchen Albertinia.


Ich mag den Geruch der Hitze. Von schwimmendem Asphalt. Von heißem Steppensand und verdorrten Gräsern. Wie der angenehm laue Wind die sengende Sonne von der Haut weht, Sommersprossen zurücklässt. Die Luft brennt. Genau wie die Kühlerhaube unseres minimalkleinsten Kleinwagens. Die vergangenen gut 400 Kilometer haben ihm alles abverlangt. Das letzte Tröpfchen Sprit, das unbefleckte Weiß seiner Hochglanzlackierung, die Maximalleistung seiner 68 Pferde. Und jetzt – den Zündschlüssel abgezogen – ist das gequälte Dröhnen von stetem Vollgasfahren aus meinen Gehörgängen verschwunden. Abgelöst von einer wundersamen, unwirklichen Ruhe.
Auf der Veranda unseres frisch bezogenen Buschbungalows beobachte ich das zartrosa Abendlicht über den Gebirgszügen der Langeberg Mountains zunehmend dem Dunkel der Nacht weichen. Ob ich vielleicht doch noch das ein oder andere Wildtier da draußen erkennen kann? – „Komm‘ schon, wir müssen!“ Der Grill ist heiß, die Steaks warten.

Beef, Ostrich, Kudu, Springbok. Noch bevor ich die Tiere Afrikas zu sehen bekomme, werden sie mir auf dem Teller serviert.

Dass ich mal irgendwann vor dem Wecker aufwachen würde – wer hätte das wohl gedacht. Es sind die strahlenden Lockrufe der afrikanischen Morgensonne … und die musikalischen unseres geflügelten Mitbewohners und seiner kleinen Vogelfreunde. Außerdem will ich keinesfalls riskieren, vor dem bevorstehenden Game Drive um 7 Uhr möglicherweise keinen kostenlosen Kaffee mehr abgreifen zu können. Frisch betankt, mit ausreichend Bohnensaft machen wir uns dann im Landrover – klischeegerecht in Tarnfarbenoliv – auf den Weg ins wilde Afrika. Da ist es wieder, das altbekannte Motorengeräusch. Das gleiche, aber in grün. Mehr buschtauglich.


Die Fahrt – „Hoppe Reiter“ und „Ich sehe was, was du nicht siehst …!“ zugleich. Wie damals, als der wildeste Ritt noch der beste war, weil ich zwar keinerlei Kontrolle aber Vertrauen hatte. Als ich noch mit großen Augen die kleinen Dinge sah, und das Offensichtliche mit anderen Augen.
Immer wieder bringt Ranger Abri den Jeep zum Stehen, dreht den Motor aus und die Wildnis auf. Mein stereotyp auf Alltagsbeschallung eingestelltes Gehör tut sich schwer, die Laute der Stille zu hören. Sie zuzuordnen. Sinne und Verstand brauchen Starthilfe für das Pfeifen von Springböcken und quiekende Zebras. Für endlose afrikanische Weiten. Für fünf Meter Giraffe in zwei Metern Entfernung. Für drei entspannte plus einen nicht ganz so entspannten Löwen aus je einer Himmelsrichtung.


Gerade noch lag sie friedlich im trockenen, dunkelroten Gras – auf neun Uhr, wenige Meter vom Wagen entfernt. Und im nächsten Augenblick springt die prächtige Löwin fauchend auf und nimmt uns mit stechendem Blick ins Visier. Ihre großen, tiefschwarz umrahmten Augen glänzen goldgelb wie Bernsteine. Die Zeit, sie steht. Und dann rennt sie los …

„Sie hätte nicht angegriffen. Wir stellen keine ernsthafte Bedrohung dar und schon gar nicht passen wir ins Beuteschema!“

Ihrem Wesen entsprechend seien Löwen sehr geduldige Tiere, erklärt Abri. Dem gefürchteten Sturmangriff geht fast immer eine Standpauke voraus. Die Dame hat uns buchstäblich ihre Grenze aufgezeigt, indem sie gutwillig an selbiger stoppte. Gelbe Karte! Der studierte „Field Guide“ weiß allerdings nur zu gut, es liegt ein schmaler Grat zwischen Gelb und Rot. Der König der Tiere macht seine eigenen Regeln. Befolgt keine Verhaltensstudien aus Lehrbüchern. Er lebt, jagt, frisst, döst, tut, macht und wacht über sein Revier. Und wenn wir ganz lieb fragen, dürfen wir auch mal vorbeischauen. Im wilden Afrika.


Unterkunft

Garden Route Game Lodge

Erfahrungswert

Für zwei Übernachtungen im sogenannten Valley View Bush Chalet haben wir zu zweit 460 Euro bezahlt.
Im Preis enthalten waren Frühstück und Dinner – ein tolles Buffet mit typischer afrikanischer Küche: Steak vom Rind, Steak vom Strauß, Steak vom Springbock, Bobotie – Hauptsache Fleisch. Nein, ich bin keine Vegetarierin, habe alles gegessen und sogar für sehr lecker befunden. Und ja, ich mag trotzdem Tiere. Aber auch als Vegetarier wird man sicherlich nicht zu kurz kommen.
Außerdem inklusive waren eine geführte Tour durchs Reptile Centre und pro Übernachtung zwei Game Drives – macht summa summarum vier einzigartige Safarifahrten mit sehr sachverständigen, engagierten Rangern.

Kontakt

Albertinia, 6695, South Africa, Tel: + 27 28 735 1200
Reservierungen können über booking.com vorgenommen werden oder direkt über die Game Lodge.
Mehr Infos unter www.grgamelodge.co.za

Posted by:Claudia

Grafikdesignerin und Reisebloggerin mit einer Vorliebe für Fotografie, Wordpress und ganz viel Kaffee. Auf dem Land geboren, auf dem Land aufgewachsen. Ausgezogen, um auf Traumpfaden zu wandern, und auch immer wieder gerne heimgekehrt … Gone Walkabout!

5 replies on “Mit Starthilfe ins wilde Afrika

  1. Hi!

    Bin grad auf deinen Blog gestoßen und diese Lodge sieht toll aus!!!! Wann ward ihr denn da, dass ihr so viel Glück mit Tieren hattet?

    LG Vera

    1. Hey Vera,
      ja, die Lodge kann ich auch wirklich nur empfehlen! Wir waren Ende Dezember dort, 26.12. bis 28.12. Das Game Reserve ist mit 2000 Hektar relativ überschaubar, was den Vorteil hat, dass die Ranger die Tiere meistens recht gut aufstöbern können.
      LG,
      Claudi

  2. Liebe Claudia! Was sind das für schöne Tierbilder geworden! Dafür lohnt sich dann auch das frühe Aufstehen ;-)
    Wie kam es denn, dass der Gepard so nah war?
    Dass, was Du so schön mit „Wohlstandsglocke“ beschreibst, hat es mir übrigens auch an einigen Stellen schwergemacht Südafrika greifen zu können. Irgendwie passen „Rosamunde-Pilcher-Vorgärten-und-Deko“ nicht hierhin…

  3. Deine Worte und deine Fotos spiegeln für mich genau wieder, was ich jedes Mal aufs Neue in Afrika spüre und fühle. Es lässt einen nicht mehr los und macht süchtig.

    Liebe Grüße,
    Lynn

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