Man sieht vor lauter Funktion die Jacke gar nicht mehr, scheinbar kann keine niemals nichts können, trotzdem verspricht jede alles und der Preis dafür ist ziemlich hoch. Hä? Ja, genau. Ich auch nicht.

Es ist ein Dschungel da draußen – im Land der Funktionsjacken. Die Fachverkäufer in den Läden fachsimpeln fachmännisch, und ich? Kapiervorgang abgebrochen! Und überhaupt, wer zum Teufel ist eigentlich dieser GoreTex? Und was hat der nochmal mit meiner Jacke gemacht?

Sich bei der Masse an Möglichkeiten, Angeboten und Versprechungen zurechtzufinden, ist für Normalsterbliche die reinste Odyssee. Warum Funktionskleidung letztlich funktioniert, liegt an einem ausgeklügelten Zusammenspiel vieler Faktoren. Welche Materialien werden eingesetzt und miteinander kombiniert? Textilien, Klebstoffe, Kunststoffe, Fasern. Auf welche Art und Weise werden sie verarbeitet und wie reagieren sie auf unterschiedliche Temperaturen, auf Feuchtigkeit und körperliche Aktivität? Es ist pure Physik. Und Chemie. Um vollständig durchzusteigen, brauchst du einen Laborkittel und ein Studium. Damit kann ich wahrlich nicht dienen.
Trotzdem habe ich mich durchs Thema gewurstelt und versucht, die Fäden des verrückten Funktionsjacken-Labyrinths etwas zu entwirren. Wenn ich schon einen Batzen Geld für die Klamotte liegen lasse, will ich auch sicher sein, dass sie mich gut gelaunt im Regen stehen lässt.

Hier kannst du dir die Infografik kostenlos als interaktives PDF downloaden:

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Was sind Membran, Beschichtung und DWR?

Die Membran ist das Herzstück, der Funktionsteil der Funktionsjacke. Als eingearbeitete, feine Kunststofffolie lässt sie Wasserdampf nach außen entweichen, Wasser in Tropfenform aber wird gefiltert.

Mem·b·ran, die:
(lat. membrāna, ‚Häutchen‘) … dünne Haut, die die Funktion eines Filters hat.

Da eine Membran sprichwörtlich sehr dünnhäutig ist, wird sie zu ihrem Schutz mit einem abriebfesten Obermaterial verbunden, das Wasser abperlen lässt. Dafür zuständig ist eine Imprägnierung, das sogenannte Durable-Water-Repellent (DWR). Das „D“ für dauerhaft könnt ihr streichen, ist schlicht gelogen.
Die kostengünstigere kleine Schwester der Membran ist die Beschichtung. Prinzipiell tickt sie ähnlich, wird jedoch flüssig auf den Oberstoff aufgetragen. Eine gewisse Unregelmäßigkeit ist schwer zu vermeiden: Zu dick bepinselt heißt also weniger durchlässig für Wasserdampf. Zu dünn, weniger wasserdicht. Zudem wird sie im Vergleich zur Membran mit zunehmender Beanspruchung stärker in Mitleidenschaft gezogen, abgerieben oder ausgewaschen.

Der Burger aus Oberstoff, Membran bzw. Beschichtung und Futter ist ein Laminat. ­Die Art der Laminat-Konstruktion, mit zwei, zweieinhalb oder drei Lagen, wirkt sich vor allem auf Robustheit, Gewicht und Packmaß der Jacke aus.

Wie funktioniert welche Membran und brauch‘ ich sowas?

Die meisten Hersteller entwickeln eigene Membrane, Beschichtungen oder Kombinationen aus beidem. Andere nutzen alt bewährte wie den Kollegen GoreTex. Er fällt in die Rubrik der mikroporösen Membran und basiert auf nichts anderem als „Teflon“ (ePTFE). Das Prinzip ist recht einfach: die ePTFE-Membran ist durchlöchert wie ein winziger Schweizer Käse. Zu dicht für die großen Wasser-Moleküle, die kleineren Wasserdampf-Scheißerchen können aber bequem durchflutschen. Blöd nur, dass diese Porenstruktur verstopfen kann, durch Salzkristalle im Schweiß zum Beispiel, Cremes oder Waschmittel. Die Folge – Atmungsaktivität ade! Auch blöd: Herstellungsprozess und Entsorgung von ePTFE-Produkten sind ökologisch gesehen nicht ganz sauber.
Neben GoreTex sind die deutlich atmungsaktivere eVent-Membran, die Venturi-Membran (Schöffel) oder Power Shield Pro (speziell für Softshells entwickelt) und NeoShell von Polartec namhafte Vertreter der Käse-Technologie.

Bei geschlossenzelligen Membranen aus Polyester ist das anders. Das Zeug besitzt keine Poren, funktioniert aber mindestens genau so gut – irgendwie – ist 100% recyclebar und pflegeleichter. So zum Beispiel Sympatex und Dermizax (Bergans).

Jedoch kann keine Membran dieser Erde im Bezug auf die Durchlässigkeit von Wasserdampf mit membranfreiem Gewebe mithalten. Zumal jedes Verfahren, das das Abdampfen erleichtern soll, erst dann nur möglich wird, wenn Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch sind. Eine Membran in den Tropen kommt etwa einem Feuchtbiotop in Plastikhülle gleich. Da entweicht gar nix mehr nach außen! Meiner Erfahrung nach tut’s in den aller meisten Fällen eine gut imprägnierte Softshelljacke ohne Membran. Die Art und Weise der Webart (z.B. „dryskin“) sorgt auch bei Wind für ausreichend Schutz und den ein oder anderen Regenschauer kann sie ebenfalls locker weggestecken.
Mein All-Time-Favourite-Jäckle ist die membranfreie Softshell Boa Q Hood von Haglöfs. Die kommt wirklich überall mit hin. Sport oder Bergtour. Sommer wie Winter. Mal als zweite Kleidungsschicht mit einer Hardshell drüber, mal als Außenschicht.

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Generell könnten für die Funktionjacken-Nerds unter euch www.outdoor-professionell.de und das Basislager von www.bergfreunde.de
Bergfreunde.de als Informationsquelle interessant sein. Den beiden habe ich so manchen Lichtblick zu verdanken.

So, und nun zu dir. Hast du spezielle Tipps, Erfahrungswerte oder Favoriten bezüglich Funktionsjacken? Was ist dein absolutes Lieblingsstück? Was gehört bei dir zu welchem Zweck auf jeden Fall in den Rucksack? Deine Fails – was sollte man sich bloß nicht aufschwatzen lassen? Fehler gefunden?

Ab in die Kommentare damit!

Posted by:Claudia

Grafikdesignerin und Reisebloggerin mit einer Vorliebe für Fotografie, Wordpress und ganz viel Kaffee. Auf dem Land geboren, auf dem Land aufgewachsen. Ausgezogen, um auf Traumpfaden zu wandern, und auch immer wieder gerne heimgekehrt … Gone Walkabout!

5 replies on “Das verrückte Funktionsjacken-Labyrinth

  1. Hey Claudi, also irgendwie bist du mir bisher durch die Lappen gegangen. Wirklich cooler Blog! Und ein genialer Artikel. Vor allem die Infografik gefällt mir :-)
    Wir haben bei unseren Funktionsjacken auf páramo gesetzt. Für uns ist nachhaltig produzierte Kleidung sehr wichtig. páramo hat als Erste die DETOX-Kampagne von Greenpeace unterzeichnet. Die Imprägnierung ist absolut unbedenklich und zudem werden 80% der Kleidungsstücke in Kolumbien bei einer Stiftung produziert, die gesellschaftlich benachteiligten Frauen hilft. Davon werden wir uns auf unserer Südamerikareise auch selber überzeugen können. Ich habe die Jacke bereits beim Wandern und Telemarken ausprobiert und bin wirklich begeistert.
    Jetzt schmöker ich mal ein bisschen weiter in deinem Blog :-)
    Liebe Grüsse
    Tina

    1. Hey Tina,

      vielen lieben Dank für dein Lob und für deinen interessanten Tipp bzgl. páramo.
      Musste ich natürlich gleich mal googeln: http://www.paramo-clothing.com
      Da werde ich mich auf jeden Fall noch ausführlicher mit beschäftigen und die Infografik beizeiten updaten. Mein Favorit, den ich gerne genauer unter die Lumpe nehmen würde, ist bislang die Women’s Ventura Windproof Jacket.

      Viele Grüße – auch an deine Familie – und gute Reise,
      Claudi

  2. Hi Claudi,

    da ich hier immer mal wieder Pingbacks von dir bekomme und nicht erst einmal deine Grafik bestaunen durfte, wollte ich im Namen des Teams einfach mal einen schönen Gruß da lassen.

    Definitiv eine schöne Idee und viel Inspiration. Daumen hoch!

    Jörn & die Bergfreunde

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